Alkoholabhängige Menschen, die sich mit dem Ziel ihren Alkoholkonsum vollständig zu beenden in Behandlung begeben, erreichen dieses eher, wenn sie von einem Therapeuten behandelt werden, der die totale Abstinenz befürwortet. Diejenigen, die Alkohol in einer kontrollierten Weise zu konsumieren versuchen sind nicht so erfolgreich, selbst wenn sie von einem Therapeuten behandelt werden, der mit kontrolliertem Trinken arbeitet. Dies hat eine Studie der Universität Göteborg, Schweden, herausgefunden.

Alkoholfrei oder »kontrolliert« trinken?

Die Debatte, ob Abstinenz oder »moderater« Alkoholkonsum Ziel einer Alkoholismus-Therapie sein sollte, bekommt mit den Erkenntnissen dieser neuen Studie wieder neue Nahrung.

Frühere Studien haben gezeigt, dass der entscheidende Faktor für den Behandlungserfolg die Übereinstimmung zum Therapieziel zwischen Patienten und Therapeuten ist, während die Wahl der Behandlungsmethode dabei eine untergeordnete Rolle spielte. Doch wie groß der Einfluss der Wahl der Methode auf das endgültige Behandlungsergebnis ist, wurde bisher noch nicht untersucht.

Die Studie – mit dem Titel »Sind übereinstimmende Behandlungsziele zwischen alkoholabhängigen Patienten und behandelndem Personal notwendig?« – begleitete 201 erwachsene Patienten zweieinhalb Jahre lang nach Beginn der Behandlung. Es zeigte sich, dass eine gemeinsame Haltung zwischen Patient und Therapeut für das Behandlungsergebnis nicht entscheidend war.

Die Studie kommt zu dem Schluss:

Hauptergebnis war, dass es keinen Zusammenhang zwischen der eigentlichen Übereinstimmung und dem Behandlungsergebnis zu geben scheint. Auf der anderen Seite fanden wir, dass das Behandlungsergebnis erfolgreicher war, wenn der Patient als auch das Therapiesetting Abstinenz zum Ziel hatten (das heißt übereinstimmende Ziele der Abstinenz).

  • Etwa 90% der Patienten, die in Übereinstimmung mit ihrem Therapeuten totale Abstinenz als Therapieziel vereinbarten, waren am Ende der Untersuchung noch nüchtern.
  • Im Vergleich dazu gelang am Ende nur 50% der Patienten, die sich mit ihrem Behandler auf kontrolliertes Trinken verständigt hatten, die Kontrolle ihres Alkoholkonsums.

Professor Kristina Berglund:

Unsere Studie zeigt, dass, unabhängig von der Einigung über Ziele und Methoden, es am Ende schwieriger ist einen kontrollierten [Alkoholkonsum] zu halten, als ganz auf ihn zu verzichten.«

Die Ergebnisse der Studie sind für die aktuelle Debatte über völlige Abstinenz oder sicheren, kontrollierten Alkoholkonsum als Behandlungsziele bei Alkoholabhängigkeit entscheidend.