GUT! Guttempler gestalten – Werte erhalten

In Deutschland sind etwa 1,4 bis 1,5 Millionen Menschen abhängig von Medikamenten. Manche Schätzungen sprechen sogar von 1,9 Millionen Betroffenen. Damit sind ebenso viele Menschen von Arzneimitteln abhängig wie von Alkohol. Spitzenreiter der Medikamente mit Suchtpotenzial sind Schlaf- und Beruhigungsmittel. Die Internetplattform www.medikamente-und-sucht.de der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und der BARMER GEK klärt über die Risiken beim Medikamentenkonsum auf, erläutert Hintergründe und weist auf die Unterstützungsangebote hin.

Startseite Medikamente und Sucht

Wir sind es gewohnt, für fast alle Leiden sofort ein Mittel zur Hand zu haben. Wenn wir nicht schlafen können, an Kopfschmerzen leiden, erschöpft oder schlechter Stimmung sind, gehen wir zum Arzt oder in die Apotheke. Ein geeignetes Medikament soll die Beschwerden lindern oder verschwinden lassen. Neben den erwünschten Wirkungen bergen viele Medikamente jedoch auch die Gefahr einer Abhängigkeit in sich. Von allen verordneten Arzneimitteln können bis zu fünf Prozent zu Missbrauch und Abhängigkeit führen. Allein unter den 20 meistverkauften Präparaten in deutschen Apotheken befinden sich 11 mit Missbrauchspotenzial. An erster Stelle stehen dabei Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine), die zur kurzfristigen Behandlung von Spannungs- und Erregungszuständen, bei Ängsten, Schlafstörungen und Depressionen verschrieben werden. Oft bleibt es aber nicht bei der zeitlich begrenzten Einnahme dieser Medikamente. Viele Menschen, die von Benzodiazepinen abhängig sind, nehmen über eine lange Zeit hinweg das Medikament in der gleichen niedrigen Dosierung ein. Davon jedoch sind sie abhängig, oftmals ohne dies zu wissen oder zu erkennen.

Das neue Online-Portal www.medikamente-und-sucht.de gibt ausführlich Auskunft über alle Fragen, die mit Medikamenten und einer möglichen Abhängigkeit zusammenhängen. Die Internetseite ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und der Barmer GEK und wendet sich an Betroffene und Interessierte, an Behandler und Berater, Experten aus der Forschung sowie an Journalisten und Pressevertreter. Basisinformationen und Hintergründe werden gut verständlich aufbereitet, es gibt zahlreiche Hinweise auf ergänzende Literatur, Kontaktdaten von Beratungsstellen, Einrichtungen der Suchthilfe und von Selbsthilfeverbänden.

Das neue Online-Angebot bietet einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu dem Thema Medikamentenmissbrauch und Abhängigkeit«, erklärt Peter Raiser, Referent für Projekte und Internationales der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. »Für Gefährdete und deren Angehörige kann es eine Ergänzung zum Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin sein und den Kontakt zu Einrichtungen der Suchthilfe erleichtern«, so Raiser weiter.

Risiken vermeiden, 4-K-Regel beachten

Medikamente sind sinnvoll und unentbehrlich, wenn es um die Behandlung von Erkrankungen und um die Linderung von Beschwerden geht. Ein kritischer Umgang mit dem Gebrauch von Medikamenten und die Beachtung einiger Regeln für den Konsum können helfen, nicht unbemerkt und ungewollt in eine Abhängigkeit zu geraten. Abhängigkeit lässt sich vermeiden, wenn Arzt und Patient beim Umgang mit Benzodiazepinen (und verwandten Substanzen wie Zolpidem, Zopiclon und Zaleplon) die sogenannte 4-K-Regel beachten:

  • Klare Indikation
  • Kleinste notwendige Dosis
  • Kurze Anwendung
  • Kein schlagartiges Absetzen des Medikaments

Wer vermutet, von einem Medikament abhängig zu sein, sollte nicht zögern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich mit seinem Arzt oder seiner Ärztin besprechen, wie der Teufelskreis zu lösen ist. Suchtberatungsstellen halten spezielle Angebote für Menschen mit Medikamentenproblemen bereit. Und auch die Selbsthilfegruppen der Guttempler bieten sich für Unterstützung und Erfahrungsaustausch Betroffener und Angehöriger an.