GUT! Guttempler gestalten – Werte erhalten

2014 und 2015 wurden die Selbsthilfeangebote der Guttempler in Deutschland aus Mitteln der Sozialversicherung und des Bundesministeriums für Gesundheit gefördert.

1. Zuwendungen zur Verbesserung der Nachsorge Suchtkranker

Deutsche Rentenversicherung Bund
Knappschaft Bahn See

Mit Zuwendungen zur Verbesserung der Nachsorge Suchtkranker der Deutschen Rentenversicherung Bund und der Knappschaft Bahn See wurden auf der Grundlage von Paragraf 31 Absatz 1 Sozialgesetzbuch VI die Suchtreferentenstellen gefördert. Die Suchtreferentin und die Suchtreferenten sind bundesweit unter anderem in Schulungen und Seminaren von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tätig und unterstützen diese bei ihren Aktivitäten der Selbsthilfe.

2. Kassenartenübergreifende Gemeinschaftsförderung

Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek), Berlin
AOK-Bundesverband GbR, Berlin
BKK Dachverband e. V., Berlin
IKK e. V., Berlin
Knappschaft Bochum
Sozialversicherung der Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau – SVLFG, Kassel

Die Krankenkassen-Selbsthilfeförderung nach § 20c SGB V ist wichtiger und wesentlicher Bestandteil der Finanzierung unserer Selbsthilfe-Aktivitäten im Suchtbereich. Sie wird als »kassenartenübergreifende Gemeinschaftsförderung« gewährt. Mit der Unterstützung durch diese Mittel konnten wir auch in den Jahren 2014 und 2015 unsere Aufgaben in der Sucht-Selbsthilfe bewältigen und wichtige Themen und Anliegen aufgreifen, um die Arbeit weiter zu entwickeln.

Alkohol- und andere Sucht(mittel)probleme sind nach wie vor eine der größten Gefährdungen für die psychische, physische und soziale Gesundheit in der Bevölkerung. Diesen wachsenden Problemen stellen wir uns durch die Bereitstellung von Informationen und Kontaktmöglichkeiten zur örtlichen Suchtselbsthilfe, durch die Vermittlung in unsere zahlreichen Selbsthilfegruppen und –angebote und durch die Vernetzung mit beruflichen Hilfeangeboten. Dank des unermüdlichen Einsatzes unserer vielen ehrenamtlichen Kräfte überall in Deutschland ist diese Hilfe zur Selbsthilfe möglich – auch für Angehörige, die einen großen und eigenständigen Hilfebedarf haben. Beratungsarbeit, Information und Vermittlung in Selbsthilfe und andere Hilfen, aber auch die Interessenvertretung der von Sucht betroffenen Menschen sowie die Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen müssen ständig aktuell gehalten und verbessert werden.

Dank der pauschalen Förderung durch die Krankenkassen in Höhe von jeweils 52.000 Euro in den Jahren 2014 und 2015 konnte dies auch gelingen. Wir danken allen gesetzlichen Krankenkassen, die in der Gemeinschaftsförderung der GKV zusammengeschlossen sind, für diese Unterstützung, auch im Namen der Betroffenen. Und wir freuen uns auf eine weitere fruchtbare und konstruktive Zusammenarbeit – und auf die Weiterentwicklung und den Ausbau unserer Selbsthilfe-Aktivitäten und –Angebote.

Wiebke Schneider, Geschäftsführerin

3. Kassenindividuelle Projektförderung

3.1 Familienklubs – ein neuer Ansatz in der Suchtselbsthilfe

BarmerGEK

Familienklubs als neuer Ansatz in der Suchtselbsthilfe richten ihr Augenmerk bei der Hilfe und Unterstützung zur Bewältigung einer Suchtproblematik auf das ganze Familiensystem. Angehörige werden häufig im Selbsthilfeprozess »vergessen« oder zumindest wenig in ihren Bedürfnissen und Bedarfen wahrgenommen.

In den vergangenen Jahren war es dank der Förderung der BarmerGEK möglich, sogenannte »Klubassistent/innen« – also ehrenamtliche Kräfte, die die Familienklubs begleiten und dabei bewährte strukturierte Methoden anwenden - zu schulen. Außerdem konnte hervorragendes Material in Form einer Broschüre für Angehörige und einer Handreichung für Klubassitent/innen entwickelt und gedruckt werden.

In seinem vor kurzem im Psychiatrie-Verlag erschienen Buch »Basiswissen: Umgang mit alkoholabhängigen Patienten« schrieb Martin Reker: »Aus einer Initiative der Guttempler wurden nach italienischem Vorbild in einigen Standorten ›Familienklubs‹ gegründet.«

Der Austausch der geschulten Klubassistent/innen, die Reflexion des Erreichten und die Fortbildung müssen gewährleistet sein. Eine Förderung für eine entsprechende Fortbildungsveranstaltung in Höhe von 4.275 Euro wurde durch die BarmerGEK für das Jahr 2015 bewilligt. Aufgrund von Terminschwierigkeiten konnte diese Fortbildung in 2015 leider nicht durchgeführt werden – sie wird aber in der ersten Jahreshälfte 2016 stattfinden.

Rolf Hüllinghorst, Projektleiter
Wiebke Schneider, Geschäftsführerin

3.2 Datenschutz – eine wichtige Aufgabe in der Suchtselbsthilfe

BarmerGEK

Datenschutz in der Suchtselbsthilfe muss sensibel und qualifiziert gewährleistet werden. Dank der Förderung der BarmerGEK konnte unser qualifizierter Datenschutzbeauftragter Helmut Krethe die erforderlichen Schulungen zur Qualifikation im betrieblichen Datenschutz durchführen. Sowohl im Bundesverband der Guttempler in Deutschland als auch in den Landesverbänden wurden die notwendigen Kenntnisse über den Datenschutz durch den Datenschutzbeauftragten vermittelt. Die gesetzlich vorgeschriebenen Verfahrensverzeichnisse konnten im Bundesverband und in fast allen Landesverbänden bereits erstellt werden. Hierzu besuchte der Datenschutzbeauftragte die Geschäftsstellen oder die Vorstände und legte mit ihnen gemeinsam diese Verzeichnisse an.

Mithilfe der FörderBKK-Dachverbandung in Höhe von 1.000 Euro konnten wir diese wichtige Aufgabe umsetzen. Wir danken der BarmerGEK sehr herzlich für die jahrelange Unterstützung und für die hervorragende Zusammenarbeit!

Helmut Krethe, Datenschutzbeauftragter
Wiebke Schneider, Geschäftsführerin

3.3 Kultursensible Sucht-Selbsthilfe

BKK-Dachverband

Die Gesellschaft verändert sich. Gleichberechtigten Zugang zu ihrem Angebot zu schaffen ist für die Selbsthilfe eine zukunftsweisende Aufgabe. Um den kulturellen Besonderheiten von Migrantinnen und Migranten in der Suchthilfe Rechnung zu tragen und um die Sucht-Selbsthilfe auch für Menschen mit Migrationshintergrund niedrigschwellig attraktiv zu machen, sollen in einem Workshop spezifische Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Dieser Workshop ist Auftakt für das Gesamt-Projekt, das die Schaffung »kultursensibler Suchtselbsthilfe-Angebote« zum Ziel hat.

Leider war es zunächst schwierig, Menschen mit Migrationshintergrund zu finden, die Interesse an dieser Denkwerkstatt zeigten. Ohne die Beteiligung der betroffenen Menschen und ohne deren Wissen über kulturelle Hintergründe und Notwendigkeiten kann aber ein kultursensibler Aufbau von Selbsthilfe-Angeboten im Suchtbereich nicht stattfinden.

Daher wurde die Durchführung des Projekts auf das Jahr 2016 verschoben – und mittlerweile ist es gelungen, entsprechende »Expert/innen in eigener Sache« zu gewinnen. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und auf die Etablierung kultursensibler Suchtselbsthilfeangebote der Guttempler in Deutschland.

Wir danken dem BKK-Dachverband sehr herzlich für die gewährte Förderung zu diesem wichtigen Vorhaben in Höhe von 12.400 Euro. Im Jahresbericht für das Jahr 2016 werden wir über die Ergebnisse und die Umsetzung dieses Vorhabens berichten!

Thomas Sebastian, Suchtreferent
Wiebke Schneider, Geschäftsführerin

4. Projekt »Chancen nahtlos nutzen – konkret!«

Bundesministerium für Gesundheit

Die Übergänge zwischen beruflicher Suchtkrankenhilfe und Sucht-Selbsthilfe zu optimieren war das Ziel des Projektes »Chancen nahtlos nutzen – konkret!« In sechs verbandsübergreifenden Workshop-Reihen mit jeweils etwa 15 Teilnehmenden, die gemeinsam von jeweils einer/m Referent/in aus der stationären Suchtkrankenhilfe (Psychiatrie, Tagesklinik, Rehabilitations-Fachklinik) oder der ambulanten Suchtkrankenhilfe (Beratungs- und Behandlungsstellen) sowie einer/m Suchtreferent/in eines Selbsthilfeverbandes geleitet wurden, sind Ideen und konkrete Anregungen für einen besseren Übergang zwischen beruflicher und ehrenamtlicher Suchthilfe zusammengetragen worden. Die zum Projektabschluss veröffentlichte 72-seitige Handreichung findet viel Beachtung und Zustimmung in der gesamten deutschen Suchthilfe.

Das Projekt »Chancen nahtlos nutzen – konkret!« wurde gemeinsam von den fünf großen Selbsthilfeverbände – Blaues Kreuz in der evangelischen Kirche, Blaues Kreuz in Deutschland, Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe, Guttempler in Deutschland und Kreuzbund durchgeführt und vom Bundesministerium für Gesundheit vom 01.10.2013 bis 30.06.2015 gefördert.

Wesentliche Erkenntnisse für die Workshopreihen stammen aus dem Vorgängerprojekt »Chancen nahtlos nutzen – Sucht-Selbsthilfe als aktiver Partner im Netzwerk« (01.07.2011 – 30.09.2012). Innerhalb der einjährigen Explorationsphase wurden mit Unterstützung der Universität Hildesheim grundlegende Kooperationsstrukturen zwischen der ambulanten beziehungsweise stationären Suchthilfe und der Sucht-Selbsthilfe untersucht. Die leitenden Fragestellungen waren dabei: Welche Faktoren fördern eine regelhafte Kooperation, welche hemmen sie? Wie kann die Sucht-Selbsthilfe in (regionale) Netzwerke erfolgreich eingebunden werden? Welche Modelle »guter Praxis« bestehen bereits? Wie können wir diese Ansätze für unsere praktische Selbsthilfearbeit übernehmen? Auf diese Fragen sollen Vertreter/-innen der beruflichenen Suchthilfe und der Sucht-Selbsthilfe mittels leitfadengestützter Interviews Antworten geben. Ein Fachbeirat stand den Projektbeteiligten mit seiner Expertise beratend zur Seite.

Die gebündelten Erfahrungen aus beiden CNN-Projekten, Hinweise und Handlungsvorschläge wurden in den Selbsthilfeverbänden auf allen Ebenen vorgestellt. In unserem Verband wurde im November 2015 eine nationale Transfertagung mit Entscheidungsträger/innen der Bundes- und Landesebene durchgeführt. Die Landesverbände bieten Seminare zur besseren Präsentation der Selbsthilfe in den Einrichtungen der beruflichen Suchthilfe an. Projektergebnisse fließen in die Schulungen von ehrenamtlichen Suchthelfer/innen und Gruppenleitungen ein.

Im April 2016 wurde von den Guttemplern in Berlin eine zweitägige Fachtagung zum Thema »CNN« veranstaltet. Zielgruppen waren berufliche und ehrenamtliche Suchthelfer/innen. Als Referenten konnten Expert/innen von beiden Seiten gewonnen werden. Weitere Veranstaltungen sind für 2016 in Planung. Auf einer Vielzahl von weiteren Tagungen von Dachverbänden der ehrenamtlichen und beruflichen Suchthilfe wurden und werden die Projekterkenntnisse vorgestellt. Die 72-seitige Handreichung zum Projekt wird auf der Internetseite guttempler.de zum kostenfreien Download angeboten.

Wir danken dem Bundesministerium für Gesundheit sehr herzlich für die Förderung dieses wichtigen Vorhabens. Ebenso danken wir unseren Kooperationspartnern und den befreundeten Suchtselbsthilfeverbänden für die herausragend gute Zusammenarbeit!

Wiebke Schneider, Geschäftsführerin
Christian Bölckow, Suchtreferent

Hilfe für suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen steht im Mittelpunkt unserer Guttempler-Aktivitäten. Abhängigkeit betrifft nicht allein den suchtkranken Menschen, sondern beeinträchtigt immer auch das persönliche Umfeld, insbesondere die Familie.

Hilfe finden bei uns darum nicht nur Abhängige, sondern auch Angehörige. Dies geschieht vor allem in Selbsthilfegruppen, die je nach Ansatz der Arbeit auch »Gesprächsgruppen« oder »Vorgruppen« genannt werden.

Wir treffen uns wöchentlich, um uns gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. Bei uns kommen Menschen in verschiedenen Stadien der Erkrankung zusammen.

Wir wollen wieder in Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Gesundheit leben.

Finden auch Sie Ihren Weg zu uns – machen Sie den ersten Schritt, nehmen sie Kontakt auf, wir sind nur ein paar Klicks entfernt.