Sucht-Selbsthilfe als aktiver Partner im Netzwerk

Am 1. Juli 2011 startete das vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Projekt »Chancen nahtlos nutzen – Suchtselbsthilfe als aktiver Partner im Netzwerk«. Die fünf großen Sucht-Selbsthilfeverbände haben sich zum Ziel gesetzt, die Sucht-Selbsthilfe und die berufliche Suchthilfe stärker miteinander zu verzahnen. Unter dem Leitgedanken der »Nahtlosigkeit« sollen Chancen einer verbesserten Zusammenarbeit genutzt werden, um Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen optimal zu erreichen und umfangreiche Hilfen anzubieten.

Gesundheitsförderung ist seit einigen Jahren in aller Munde. Kaum ein Medium verzichtet auf wohlmeinende Ratschläge, wie die Gesundheit Einzelner, bestimmter Bevölkerungsgruppen oder der Gesellschaft insgesamt gefördert und verbessert werden kann. Ohne ein unterstützendes Umfeld bleiben die Ratschläge jedoch nicht selten ohne Wirkung.

Dass auch die Sucht-Selbsthilfe sich dieses Themas gezielt annimmt, ist nicht erstaunlich, war sie im umfassenden Sinne doch immer schon ein Träger von Gesundheitsförderung: Suchtkranke und Angehörige in Sucht-Selbsthilfegruppen zeichnen sich durch gegenseitige Unterstützung zur Alltagsbewältigung aus. Sie engagieren sich für die Verbesserung der eigenen Lebensqualität sowie der Lebensqualität ihrer Wegbegleiterinnen und –begleiter.

Suchtprobleme betreffen nicht nur die oder den Abhängigen, sondern die ganze Familie. Nach wie vor richtet sich das Hauptaugenmerk der Hilfen, der Therapieange­bote und auch der Selbsthilfe überwiegend auf die Abhängige oder den Abhängigen. Doch es geht auch anders, wie zum Beispiel in Italien. Dort wurden bereits in den 80er Jahren die ersten Familienklubs gegründet. Auch IOGT Dänemark erprobte Ende der 90er Jahre als erstes Land in Skandinavien diese Form der Arbeit – und der Erfolg überzeugte. Es zeigt sich, dass durch diese Form der Gruppenarbeit ganz besonders jüngere Menschen (zwischen 25 und 40 Jahren) erreicht werden. Eine weitere Form der Fami­lienklubs – auf unser Gesundheitssystem in Deutschland abgestimmt – wird nun durch die Guttempler in Deutschland eingeführt.

Sucht kennt keine Altersgrenzen. Dennoch werden junge Suchtkranke oder Gefährdete unter 30 Jahren kaum von den Angeboten der Sucht-Selbsthilfe erreicht. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit befassen sich die fünf Selbsthilfe- und Abstinenzverbände gemeinsam mit dieser Thematik und suchen Antworten und Lösungen, unter anderem auf die Fragen:

  • Was erwarten junge Suchtkranke von der Selbsthilfe?
  • Welche Angebote können geschaffen werden, um jungen Menschen mit Suchtproblemen zu helfen?
  • Welche Möglichkeiten gibt es für eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit Fachkliniken, Beratungsstellen und mit der Jugendhilfe?

Dank umfangreicher Vorarbeiten und Befragungen ist es ab 2005 möglich, mehr und gezielte Angebote zu entwickeln und ehrenamtliche Kräfte zu schulen, um den besonderen Anforderungen in der Hilfe für junge Suchtkranke begegnen zu können.