Projekt Häusliche GewaltMehr als 100.000 Frauen pro Jahr werden in Deutschland Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. Das geht aus jetzt veröffentlichten Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) für das Jahr 2015 hervor. Gewalt in Partnerschaften betrifft zu 82 Prozent Frauen. Insgesamt, also Gewalt gegen Männer und Frauen zusammengezählt, wurden 2015 rund 127.000 solcher Fälle verzeichnet. Seit 2012 ist die Zahl damit um 5,5 Prozent gestiegen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig sagte dazu: »Wir brauchen diese Zahlen, denn sie helfen dabei, häusliche Gewalt sichtbar zu machen.« Notwendig seien vor allem Maßnahmen zur Prävention.

Häusliche Gewalt gegen Frauen, gegen Männer, gegen Kinder ist keine Privatsache. Es ist eine Straftat – und sie muss entsprechend verfolgt werden«, so die SPD-Politikerin.

In den Jahren 2012/2013 wurde mit dem damaligen BKK Bundesverband das Projekt »Häusliche Gewalt und Sucht« unter dem Schwerpunkt Häusliche Gewalt gegen Frauen entwickelt und durchgeführt. Ziel war es, die Sichtweise der ehrenamtlich helfenden Menschen/Angehörigen und Betroffenen zum Thema häusliche Gewalt und Sucht zu verändern. Die Guttempler in Deutschland wollten einen Beitrag dazu leisten, diese scham- und schuldbesetzte Thematik gesprächsfähig zu machen — sie zu »entheimlichen«. Es sollten für Menschen in der beratenden und helfenden Arbeit in unseren Selbsthilfegruppen die Problematik dargestellt und Hilfsmöglichkeiten aufgezeigt werden.

Das Problem und Themenfeld »häusliche Gewalt« ist und bleibt wichtig in der Suchtselbsthilfe, denn nicht selten verkompliziert Alkoholkonsum diese Thematik. In 55 % der Fälle stehen die Gewalt ausübenden Lebenspartner unter Einfluss von Alkohol oder anderen Suchtmitteln. Viele von ihnen weisen schon vor der ersten Gewaltausübung einen kritischen Suchtmittelkonsum auf. Alkohol ist dabei nicht unbedingt die Ursache von Gewalt, aber ein verstärkender Faktor. Für betroffene Frauen ist Alkohol eher eine Strategie, um erlebte Gewalt auszuhalten. Kinder und Jugendliche erleben Gewaltausübung und Alkoholmissbrauch in den Familien und haben dadurch ein erhöhtes Risiko, selbst Täter oder Opfer zu werden oder eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln. So mündet Gewalterfahrung häufig wieder in Gewalt-Taten.

Projekt Häusliche GewaltNeben der quantitativ überwiegenden Gewalt von Männern gegen Frauen, sind diese aber nicht die einzigen Opfer von häuslicher Gewalt: Gewalt gegen Kinder und Männer spielt eine zahlenmäßig eher unterschätzte Rolle. Doch gerade letztere Opfergruppe hat in der Thematisierung und Offenlegung ihrer Problematik sehr hohe Schwierigkeiten. Ist die gesellschaftliche Verurteilung von Gewalt gegen Frauen mittlerweile im öffentlichen Diskurs schon ein Stück vorangekommen, ist das schambesetzte Schweigen von Frauengewalt ausgesetzten Männern eher die Regel als die Ausnahme. Überkommene Rollenklischees, die von Männern erfordern, ihre Frauen »im Griff zu haben«, sorgen für geringe Bereitschaft, das häusliche Problem zu thematisieren. Um dieser Problematik Raum zu geben, werden die Guttemplerinnen und Guttempler in 2017 die fertig gestellte Broschüre »Wer blau ist, sieht schneller rot« überarbeiten und um andere Opfergruppen erweitern.

Die Broschüre (862 kb) kann hier heruntergeladen werden:

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Projekt Haeusliche Gewalt
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Aktualisierung 17.11.2016 15:59:09
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