Herbstein im Frühling

Der Bundesausschuss plante Anfang April die nächsten Schritte zur Weiterentwicklung der Guttempler-Angebote in der Suchtselbsthilfe. Eingeladen hatte der hessische Landesverband ins Kolping-Feriendorf Herbstein.

Musik mit freundlicher Genehmigung von © Bożena Delewska, IOGT Polen.

Jahrbuch Sucht 2017Im Jahr 2015 wurde in Deutschland mit 9,6 Liter reinem Alkohol ebenso viel getrunken wie im Jahr zuvor (9,6 Liter). Berücksichtigt man, dass der meiste Alkohol in Deutschland von 15- bis 65-Jährigen getrunken wird, erreicht der Durchschnittskonsum der Bevölkerungsmehrheit 14,6 Liter Reinalkohol. Damit bleibt der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland unverändert auf sehr hohem Niveau. Der Gesamtverbrauch an alkoholischen Getränken sank im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr um 1,02 % auf 135,5 Liter pro Kopf der Bevölkerung. Auf den gesamten Alkoholkonsum, gemessen in Reinalkohol pro Kopf, entfallen 5,1 Liter auf Bier, 2,3 Liter auf Wein, 1,8 Liter auf Spirituosen und 0,4 Liter auf Schaumwein.

Dies sind die aktuellen Zahlen, die die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen heute im »Jahrbuch Sucht 2017« veröffentlicht.

Medikamentenabhängigkeit ist weiblichInsgesamt, so die Schätzungen, sind in Deutschland 1,2 – 1,5 Millionen Menschen abhängig von Arzneimitteln, manche sprechen sogar von 1,9 Millionen. Die Zahl derjenigen, die Arzneimittel missbräuchlich nutzen – zum Abnehmen, Wachbleiben oder zur Steigerung der Leistungsfähigkeit – ist wahrscheinlich genauso groß. Arzneimittelabhängigkeit in Deutschland steht damit auf Platz zwei aller Abhängigkeiten: nach Tabak, aber vor Alkohol – und es herrscht eine hohe Intransparenz in diesem Bereich.

E-ZigaretteAuch im Jahr 2016 ist der Konsum von Tabakprodukten merklich zurückgegangen, Fertigzigaretten wurden um 7,7 % weniger nachgefragt als im Jahr 2015. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene rauchen deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Damit verbunden sind auch immer weniger Menschen durch Passivrauchen in Innenräumen belastet. Wie diese Zahlen zeigen, waren die in den letzten Jahren umgesetzten Maßnahmen der Tabakprävention wie auch diejenigen der Tabakkontrollpolitik durchaus erfolgreich. Ihre konsequente Fortführung und Intensivierung ist für eine nachhaltige Verringerung des Tabakkonsums jedoch unbedingte Voraussetzung. E-Zigarette und E-Shisha werden in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen und sollten daher in Präventionsstrategien und präventionspolitischen Überlegungen ebenfalls berücksichtigt werden.

Gelöste HandschellenSuchthilfe ist heute nicht mehr ausschließlich die Beratung und Behandlung abhängigkeitskranker Menschen. Die Versorgung Suchtkranker in Deutschland wird heute durch ein umfassendes und differenziertes System geleistet. Seit nun mehr fast 50 Jahren – 1968 wurde Alkoholabhängigkeit vom Bundesozialgericht als Krankheit anerkannt – entwickelt sich das Suchthilfesystem in Deutschland.