Kristina Šperková bei der Nebenveranstaltung der WHO Europa zum Thema Alkoholpolitik, die während der 71. Tagung des Regionalkomitees stattfand

Für die wegweisende Nebenveranstaltung der WHO Europa zur Alkoholpolitik, die während der 71. Tagung des Regionalkomitees stattfand, beantwortete Kristina die Frage, welche Maßnahmen für die Erreichung des Ziels eines von Alkoholschäden freien Europas die höchste Priorität haben.

In diesem Beitrag gibt Kristina ihre Antwort und erläutert, warum eine Initiative zur Besteuerung von Alkohol notwendig ist und welche weiteren Maßnahmen wichtig sind.

Die Alkoholpolitik und die SAFER-Initiative der Europäischen Region der WHO standen im Mittelpunkt der Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa, des höchsten Entscheidungsgremiums der 53 Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO. Es war eine hochrangige Veranstaltung mit Teilnehmer*innen wie der schottischen Premierministerin, dem russischen Gesundheitsminister und stellvertretenden Gesundheitsminister, dem tschechischen und dem slowenischen Gesundheitsministerium sowie Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft.

Ich war eingeladen, einen Beitrag zur Diskussion über den Weg zu einem SAFER Europa zu leisten. Die Moderatorin, Prof. Ilona Kickbusch, stellte mir die folgende Frage:

Was ist aus Sicht der Zivilgesellschaft die wichtigste Maßnahme, die die Mitgliedstaaten gemeinsam ergreifen sollten, um eine Europäische Region der WHO zu schaffen, die frei von alkoholbedingten Schäden ist?«
Prof. Ilona Kickbusch, Direktorin, Global Health Centre, Graduate Institute of International and Development Studies, Genf

Die Veranstaltung machte deutlich, wie groß die Kluft zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und politischen Maßnahmen in Europa ist.

Diagramm und Europakarte: Ein Paradigmenwechsel bei der Alkoholsteuer ist notwendig!Dr. Jürgen Rehm, Professor, Institute for Mental Health Policy Research & Campbell Family Mental Health Research Institute, Centre for Addiction and Mental Health (CAMH), Kanada

Prof. Jürgen Rehm sprach einleitend darüber, welche Lösungen funktionieren und welche Herausforderungen und Chancen sich mit COVID-19 ergeben haben.

In seinem Vortrag zeigte er, dass die Preispolitik für Alkohol, wie zum Beispiel die Alkoholbesteuerung, die am wenigsten genutzte alkoholpolitische Lösung ist, trotz ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit und der hohen Alkoholbelastung.

Er betonte die Notwendigkeit eines »Paradigmenwechsels« bei der Alkoholbesteuerung.

In den Beiträgen der führenden Persönlichkeiten des Gesundheitswesens aus der gesamten Region wurde deutlich, dass die Umsetzung einschlägiger Maßnahmen verstärkt werden muss, um alkoholbedingten Schäden vorzubeugen und bessere Ergebnisse in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und COVID-19-Genesung zu erzielen.

Die Erste Ministerin Schottlands, Nicola Sturgeon, betonte beispielsweise, dass die Preispolitik für Alkohol das Kernstück einer umfassenden Strategie zur Bekämpfung der durch Alkoholprodukte verursachten Schäden sein sollte.

Diese Botschaft wurde kürzlich durch eine neue Studie untermauert, aus der hervorgeht, dass eine Verdoppelung der derzeitigen Verbrauchssteuern auf Alkohol in Europa fast 6 % der durch Alkohol verursachten Krebsneuerkrankungen und Krebstodesfälle (180.900 Fälle und 85.100 Todesfälle) in der Region vermeiden könnte.

Die Aktion mit der höchsten Priorität

Puzzle-Stücke mit Aufschrift "Alkoholsteuer" auf Fläche mit Aufschrift "Investition"

Natürlich müssten wir über drei, vier wichtige vorrangige Maßnahmen sprechen, die für die Verhinderung und Verringerung von Alkoholschäden in der europäischen Region von entscheidender Bedeutung sind, und nicht nur über eine, wie Prof. Kickbusch forderte. Eine dieser vorrangigen Lösungen sollte zum Beispiel das Alkohol-Einzelhandelsmonopol sein. Europa verfügt bereits über große Erfahrung und sehr gute Belege dafür, wie wirksam und wichtig diese Maßnahme ist. Durch die Beseitigung des Gewinninteresses im Alkohol-Einzelhandel können die Länder die Menschen wirksam vor den Schäden schützen, die durch die Produkte und Praktiken der Alkoholindustrie verursacht werden.

Gemeinsame Initiative zur Alkoholbesteuerung

Aber wenn ich nur einen Weihnachtswunsch hätte, nämlich eine Sofortmaßnahme, dann würde ich mit etwas beginnen, das realistisch ist und sofort umgesetzt werden kann und das dennoch ehrgeizig ist, was die Zahl der geretteten Menschenleben angeht.

Wir brauchen eine gemeinsame europäische Initiative für eine gesundheitsorientierte Alkoholbesteuerung.«
Kristina Šperková

Die COVID-19-Pandemie hat deutlich gemacht, dass es dringend notwendig ist, die wirksamsten Instrumente einzusetzen, um alkoholbedingte Schäden zu verhindern und zu verringern, die Gesundheitssysteme zu stärken und die Gesundheit zu fördern sowie die inländischen Ressourcen zu erhöhen. Und die Alkoholbesteuerung wird dazu beitragen, Todesfälle zu verhindern und Schäden zu verringern, mehr Staatseinnahmen zu mobilisieren, Verbesserungen im Gesundheitswesen zu ermöglichen und Ungleichheiten zu verringern.

Wir brauchen eine gemeinsame europäische Initiative zur Förderung der Alkoholbesteuerung. Auf diese Weise würden wir die grenzüberschreitenden Probleme vermeiden, die wir zum Beispiel in den baltischen Staaten sehen. Internationale Institutionen wie die WHO, die OECD und die Weltbank müssen zusammenkommen, um die Länder beim Aufbau von Kapazitäten für die Einführung gesundheitsorientierter Alkoholsteuern zu unterstützen. Zum Ausbau der technischen Kapazitäten gehört ein regierungsweiter Ansatz, bei dem die Gesundheits- und Finanzministerien zusammenarbeiten und die Rentabilität von Investitionen in eine auf die öffentliche Gesundheit ausgerichtete Verbrauchssteuer auf Alkohol verstehen. Bei dieser Initiative geht es auch um den Aufbau einer klaren und gut funktionierenden Infrastruktur. Zum Beispiel eine Ministerkonferenz, auf der führende Politiker*innen zusammenkommen, um gemeinsame Anliegen zu erörtern und den weiteren Weg zu bestimmen.

Hindernisse auf dem Weg zum Fortschritt

Die Menschen wollen Veränderung. Die Menschen wollen in gesunden Gemeinschaften leben. Sie wollen nicht die Gewinne der Alkoholindustrie subventionieren.«
Kristina Šperková

Natürlich gibt es einen Grund, warum Alkohol im letzten Jahrzehnt erschwinglicher geworden ist und warum die wirksamste alkoholpolitische Lösung vernachlässigt wird: die Einmischung der Alkoholindustrie. Das bedeutet, dass die Alkoholpolitik nicht unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Gesundheit, sondern unter dem Gesichtspunkt der Gewinnmaximierung der Alkoholindustrie betrachtet wird.

Um die Entwicklung der Alkoholpolitik besser und wirksamer zu schützen, brauchen wir auch in Zukunft stärkere Instrumente für nationale Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit.

Auf dem Weg zu einem weltweit verbindlichen Vertrag

Wir brauchen einen weltweit verbindlichen Vertrag über Alkohol, der das Menschenrecht auf Gesundheit in den Mittelpunkt der Alkoholpolitik stellt und einen viel stärkeren Schutz vor Interessenkonflikten und Einmischung der Alkoholindustrie ermöglicht.

Diese beiden Lösungen – eine gemeinsame Initiative zur Alkoholbesteuerung und die Arbeit an einem weltweit verbindlichen Vertrag – sind keine revolutionären Ideen. Es gibt sie auch für andere Fragen der öffentlichen Gesundheit.«
Kristina Šperková

Und Alkoholschäden sind eine Priorität für die öffentliche Gesundheit, wie die WHO-Mitgliedstaaten sie genannt haben. Und deshalb muss die Reaktion auf Alkoholschäden die Dringlichkeit und das Ausmaß des Problems widerspiegeln.

Bei Movendi International wissen wir, dass dies wichtig ist, und wir sehen das Potenzial, in unserer Gesellschaft wirklich etwas zu bewirken. Unsere Mitglieder arbeiten tagtäglich in der ganzen Region und auf der ganzen Welt und sind mit den Schäden konfrontiert, die durch die Produkte und Praktiken der Alkoholindustrie verursacht werden.

Wann immer wir über Lösungen sprechen, die es gibt (wie Besteuerung, wie die Alkoholindustrie auf die gleiche Weise anzugehen wie die Tabakindustrie), ergibt das für die Menschen Sinn und sie bringen ihre Unterstützung zum Ausdruck. Die Menschen wollen eine Veränderung. Die Menschen wollen in gesunden Gemeinschaften leben, geschützt vor vermeidbaren Gefahren für das Wohlergehen ihrer Kinder und Familien. Die Menschen wollen eine gut funktionierende Gesundheitsversorgung. Sie wollen nicht die Gewinne der Alkoholindustrie subventionieren.

Was wir also brauchen, ist eine führende Rolle bei Lösungen, die der Alkoholindustrie Angst machen, aber die Menschen schützen und ihnen nützen.

Ich bin davon überzeugt, dass die gemeinsame Initiative zur Alkoholbesteuerung die vorrangige Maßnahme ist, die jetzt ergriffen werden muss. Sie erleichtert ein konzertiertes Vorgehen und ein stärkeres politisches Engagement. Sie trägt dazu bei, ein größeres Engagement von auf die öffentliche Gesundheit ausgerichteten Nichtregierungsorganisationen, Berufsverbänden und Gruppen der Zivilgesellschaft zu mobilisieren. Und sie ist ein wesentlicher Schritt in Richtung eines wirksameren Schutzes der Menschen, einschließlich der am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen, vor den von der Alkoholindustrie verursachten Schäden.

Die Autorin

Kristina Šperková

Ich bin die internationale Präsidentin dieser wunderbaren Organisation Movendi International. Ich sehe Alkohol als ein Hindernis für die Entwicklung – sowohl für den Einzelnen als auch für Gemeinschaften und Gesellschaften auf der ganzen Welt.

Ich fühle mich geehrt und dankbar, dass ich mit diesen Fragen arbeiten und das Bewusstsein für die Schönheit und die Vorteile eines alkoholfreien Lebensstils schärfen darf – des Lebensstils des 21. Jahrhunderts und der Lebensweise der Mehrheit der Weltbevölkerung.

Quelle: Movendi International

Übersetzt mit www.DeepL.com